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Editorial 06/2003 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Thomas Mühlbacher   

Jaguar

Ich wünsche mir seit Jahren einen Jaguar. Mit allen Schikanen, breiten Reifen und Ledersitzen. Das soll nicht heißen, dass er ein vernünftiges Auto wäre. Viele, die es eigentlich wissen müssen, warnen davor. So ein Fahrzeug sei überzogen und nicht alltagstauglich. Und das Triebwerk muss man sich leisten können. - Aber schön wär's schon.

Dann gibt es da noch ein deutsches Modell. Mit etwas weniger Schikanen zwar, aber immer noch recht schön. Allein dafür würde ich das Dreifache von dem brauchen, was ich habe.

Dann eben nicht. Mit meinem alten Wagen errege ich zwar nicht gerade den Neid der Nachbarn, aber für's "Pickerl" reicht es noch locker.

Andere wünschen sich seit Jahren eine Strafprozessreform. Mit allen Schikanen, breiten Beschwerdemöglichkeiten und Leitungsbefugnissen des Staatsanwaltes. Das soll nicht heißen, dass es eine vernünftige Reform wäre. Viele, die es eigentlich wissen müssen, warnen davor. So eine Reform sei überzogen und nicht alltagstauglich. Und das Triebwerk muss man sich leisten können. - Aber schön wär's schon.

Dann gibt es da noch ein deutsches Modell. Mit etwas weniger Schikanen zwar, aber immer noch recht schön. Allein dafür würde man das Dreifache der Staatsanwälte brauchen, die man hat.

Dann eben nicht. Mit unserer alten Strafprozessordnung erregen wir zwar nicht gerade den Neid der Nachbarn, aber ...

Eine Möglichkeit gäbe es freilich immer noch:
Man könnte doch einem für seine Verhältnisse ohnedies unglaublich leistungsfähigen Kleinwagen einfach die ihm viel zu schwere Karosserie der Raubkatze überstülpen. Das sieht auch ganz gut aus und kostet vor allem fast nichts - kurzfristig betrachtet, ohne Berücksichtigung der Folgeschäden.

Wer einen solchen kakanischen Austro-Daimler in Betrieb nimmt, muss sich allerdings von vornherein darüber im Klaren sein, dass die angestrebte Beschleunigung damit jedenfalls nicht erreicht werden kann.

Autofahrerorganisationen, die - wie wir wissen - nicht nur auf die Geschwindigkeit, sondern auch auf die Bremsen achten, auch wenn sie dafür oft gescholten werden, meinen, dass eine ordentliche Ausstattung letztlich vor allem eine Frage der Sicherheit ist. Denn bergab geht es schneller als man glaubt - mit den rechtsstaatlichen Garantien und der Effektivität der Strafrechtspflege.

Hungerleider und Krämerseelen fahren eben keine Luxusautos.

 
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