Abschied von Sepp Klingler
Nie habe ich gedacht jene Aufgabe wahrnehmen zu müssen, die mit in diesem Heft obliegt. Josef - wir alle nannten ihn Sepp - ist in den letzten Jahrzehnten der Österreichischen Richtervereinigung so innig verbunden gewesen, wie es nur möglich war. Seit 1986 im Vorstand der Richtervereinigung, von 1988 bis 1993 Obmann der Sektion Steiermark. Zwei Jahre im Präsidium der Vereinigung, davon 6 Jahre als ihr Präsident. Wenige von uns nur können sich an eine Zeit erinnern, in der Sepp Klingler nicht für die Standesvertretung arbeitete.
Diese Worte sollen aber nicht bloß die Stunde der Chronologie sein. Wenn ich jetzt die wichtigsten Schlaglichter aus seiner Tätigkeit für die österreichischen Richterinnen und Richter erwähne, tue ich das hier, um noch einmal unsere Erinnerung auf das zu lenken, was unter der Führung von Sepp Klingler geschaffen wurde, und für die Richterinnen und Richter inzwischen zur Selbstverständlichkeit geworden ist. Wir alle tendieren dazu zu vergessen, unter welchen Umständen wir noch vor wenigen Jahren arbeiteten, und daß viele Verbesserungen erst jüngeren Ursprungs sind. Ich vermerke es aber auch , weil irgendwo es einen Katalog geben soll, der an dem die Familie Klingler erkennen kann, welche Wirkung jene Tätigkeit entfaltete, die so oft dazu führte, daß Sepp Klingler seine Zeit nicht daheim in Nestelbach verbringen konnte. Dazu will ich versuchen, das Zeitüberdauernde seiner Konzepte und Realisierungen aufzuspüren. Es gelang in seiner Präsidentschaft eine entscheidende Reformierung der richterlichen Personalsenate, die nunmehr weitgehend demokratisiert sind. Er verstand es, verstärkte Zuwendung zu richterlicher Aus- und Fortbildung zu erwecken. Dem eigens zu diesem Zweck eingerichteten Beirat im BMfJ gehörte er mit gewichtiger und wertvoller Stimme an. Maßgeblich trat er für eine aktive Beteiligung der Standesvertretung am Projekt Personalanforderungsrechnung ein, womit schlußendlich eine bis dahin nicht nur eine nie bekannt gewesene Planstellengerechtigkeit gewährleistet werden konnte. Es gelang vielmehr auch , den Nachweis zu erbringen, daß die richterlichen Proteste gegen die Überbelastung ihre reale Grundlage hatten. Unser Präsident mußte erst viele Zweifler überzeugen, ehe es eine Zustimmung zu dem Projekt gab. Ohne ihn - als hochangesehenen Verhandlungspartner - hätten die Gehaltsverhandlungen mit dem Finanzministerium bei weitem nicht so ein Ergebnis zeitigen können, wie sie schließlich taten. Alle Plackerei, jegliche Diskussion, dornenreiche Verhandlungen in parlamentarischen und ministeriellen Gremien, das alles erhielt durch Sepp Klingler eine positive Prägung . Seine zutiefst menschliche und offene Art, seine absolut überzeugende Seriosität, maßvolles Abwägen und überzeugtes Bekennen nachdem die Entscheidung getroffen ist, führten zu einer sehr hohen Einschätzung aller , die ihm persönlich begegneten. Diesem von ihm geschaffenen Maßstab zu entsprechen, ist für uns alle keine leichte Aufgabe, aber erstrebenswertes Ziel. Bei alledem gelang es noch, für seinen Verein Alpha-Nova, auch eine Schöpfung von Sepp Klingler, die er - wie es seiner Art entsprach nie an die große Glocke hängte - Großartiges zu leisten. Sepp Klingler war aufgrund seines unermüdlichen Einsatzes in den letzten Jahren nicht viel daheim. Er übernahm die Aufgabe und investierte sehr viel Kraft und Zeit in seinen Traum einer bestmöglichen Gerichtsbarkeit - und damit einen Traum einer etwas besseren Welt. Diese stand im Zentrum seiner Bemühungen, niemals persönliche Profilierungswünsche. (Auch hätte er niemals so große Worte gewählt, ich wage es nach vielen gemeinsamen Gesprächen, in denen er seine Vorstellungen entwickelte). Ohne seine Familie, die dieses Wirken erst ermöglicht hat, wäre das alles auch nicht möglich gewesen. Frau Klingler und die ganze Familie haben damit ihren Beitrag geleistet, der von Sepp auch immer hoch geschätzt wurde. So sehr wir es bedauerten, daß er nach so viel Jahren mit der Standesvertretung aufhören wollte, respektierten wir doch seinen Wunsch mehr daheim zu sein. Wir haben gewußt, was seiner Familie durch die Präsidentschaft abverlangt wurde, und wollten ihm bei seiner Vorfreude, wieder einmal mehr Freizeit in entspannter Atmosphäre verbringen zu können, nicht im Weg stehen. Es stimmt besonders bitter, daß ihm, nachdem alle Strapazen überstanden waren, so wenig Zeit verblieb. Wir können nicht ermessen, was es für Die Familie heißt, den Ehegatten, den Vater verloren zu haben. Wir haben einen hervorragenden Richter, ein Vorbild, einen Freund verloren. Unsere Herzen sind bei ihm. |